In der Ausgabe August 2015 des Magazins „Unternehmer Edition“ wird in der Titelstory „Ausländische Käufer – Wie sie den Mittelstand aufmischen“ über den Erwerb von deutschen Mittelständlern durch ausländische Erwerber berichtet. Neben anderen M&A Experten wurde hierzu auch Dr. Horst Friedrich von ADVISOS Corporate Finance befragt. „Zu behaupten, Investoren aus dem Ausland kauften den deutschen Mittelstand auf, wäre übertrieben“ wird Dr. Horst Friedrich zitiert. So lag der Anteil der ausländischen Investoren an den im ersten Halbjahr 2015 angekündigten Übernahmen bei unter 40%.

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Das vollständige Interview mit Dr. Horst Friedrich lesen Sie hier:

  • In der letzten Zeit ist viel darüber zu lesen, dass deutsche mittelständische Unternehmen von US-Investoren, chinesischen Strategen und/oder PE-Investoren gekauft werden. Man könnte zugespitzt sagen: „Die Ausländer kaufen den deutschen Mittelstand leer“. Ist der Run wirklich so groß?

Zunächst einmal lassen Sie uns einen Blick auf den deutschen M&A Markt insgesamt werfen: Laut Thomson Financial wurden im ersten Halbjahr 2015 über 700 Transaktionen angekündigt, die auf den Erwerb von deutschen Unternehmen gerichtet waren, was nur geringfügig unter der Anzahl des Vorjahres lag. Auch für das Ausland sind deutsche Unternehmen attraktive Übernahmeziele, allerdings liegt der Anteil der ausländischen Erwerber bei unter 40%, so dass die Mehrheit der verkauften Unternehmen in deutscher Hand bleibt. Man kann daher nicht sagen, dass die Ausländer den Mittelstand leer kaufen, die Übernahme eines Unternehmens muss in jedem Einzelfall Sinn machen und sorgfältig gegenüber etwaigen Alternativen abgewogen werden, das gilt sowohl für deutsche als auch für ausländische Erwerber.

  • Woher rührt das große Interesse auf einmal, was sind die Gründe?

Vor dem Hintergrund des extrem niedrigen Zinsniveaus ist die Suche der Anleger nach attraktiveren Anlagemöglichkeiten verständlich. Das wirkt sich zum einen auf den Appetit von Finanzinvestoren aus, die in der jetzigen Niedrigzinsphase enorme Liquiditätszuflüsse verzeichnen. Zum anderen wird es in einer solchen Situation auch für Unternehmen attraktiver, den erwirtschafteten Cash Flow in externes Wachstum zu investieren anstatt ihn an die Gesellschafter auszuschütten, zumal auch Fremdkapital als anteilige Akquisitionsfinanzierung in einem attraktiven Volumen verfügbar und sehr günstig ist.

Insofern verwundert es nicht, dass die Immobilienbranche von Investoren als attraktiv angesehen wird. Aber auch Investitionen in den deutschen Maschinenbau, sozusagen dem Klassiker, sind gefragt. Weitere attraktive Zielbranchen sind die Healthcare Branche und die High-Tech Industrie. Mit Investitionen in diesen Branchen wollen sich Unternehmen Wettbewerbsvorteile für die Zukunft erarbeiten, indem sie auf die hohe technologische Kompetenz in Deutschland zugreifen.

  • Wer sind hauptsächlich die Investoren: Strategen oder Finanzinvestoren?

Beide Gruppen sind aktiv und haben ihre spezifischen Gründe für den Erwerb deutscher Unternehmen.

Bei den strategischen Investoren spielen nach wie vor häufig die klassischen Motive eine Rolle. Deutsche Erwerber sind daran interessiert, Mitbewerber zu übernehmen, um beispielsweise in einer sich konsolidierenden Branche ihre Marktposition zu stärken. Ausländische Strategen sind häufig am Marktzugang in Deutschland oder am Erwerb von deutschem Know How interessiert. Die gute Gewinnsituation der letzten Jahre hat Cash in die Kassen der Unternehmen gespült, das investiert werden muss, und zusätzlich erleichtert die Verfügbarkeit von günstigen Akquisitionsfinanzierungen die Finanzierung von Übernahmen.

Da diese Entwicklungen zu attraktiven Unternehmensbewertungen geführt haben, ist es nicht verwunderlich, dass Finanzinvestoren diese Marktsituation gern für Exits nutzen. Andererseits spült das niedrige Zinsniveau den Finanzinvestoren Anlegergelder in die Fonds, sodass hieraus ein entsprechender Investitionsdruck resultiert. Vor dem Hintergrund der Erfahrung mit überhöhten Unternehmensbewertungen vor der globalen Finanzkrise ist es sicherlich keine leichte Aufgabe, damit umzugehen, zumal zum Verkauf stehende Unternehmen in der Regel im Rahmen eines strukturierten Prozesses angeboten werden, in dem strategische Investoren und Finanzinvestoren miteinander konkurrieren, und in dem sich letztlich der Bieter mit dem höchsten Preis durchsetzt. Zunehmend höre ich von Finanzinvestoren Klagen über zu hohe Kaufangebote von strategischen Erwerbern, so dass Finanzinvestoren aus dem strukturierten Prozess ausscheiden. Dennoch sehen wir natürlich auch erfolgreiche Akquisitionen von Finanzinvestoren.

  • Aus welchen Ländern kommen die Investoren hauptsächlich?

Wie bereits dargestellt kommt die Mehrheit der Investoren aus Deutschland. An zweiter Stelle liegen sicherlich europäische Investoren, weil natürlich die gemeinsame Währung – trotz aller derzeitigen Probleme – und die kulturelle Nähe grenzüberschreitende Transaktionen leichter machen. Andererseits ist nach der Abwertung des Euro Deutschland natürlich gerade für jene Investoren interessant, die hiervon profitiert haben, wie etwa die US Konzerne. Auch Investoren aus dem Nahen Osten und aus Asien sieht man verstärkt auf dem deutschen Markt, und dies zunehmend auch im Mittelstand. Die Gründe hierfür liegen neben der schlichten Notwendigkeit der Kapitalanlage häufig in dem Bestreben, Zugang zum attraktiven deutschen Markt zu bekommen oder technologisches Know-How zu erwerben.

  • Ist die Situation vergleichbar mit den Jahren 2006-2008?

Natürlich sind Parallelen zwischen der aktuellen Situation und der Zeit vor der globalen Finanzkrise sichtbar: die Unternehmensbewertungen sind heute insgesamt auf einem hohen Niveau, Akquisitionsfinanzierungen sind in der Regel in einem attraktiven Umfang verfügbar und darüber hinaus noch zu vergleichsweise günstigen Zinsen erhältlich. All das hat – zusammen mit realwirtschaftlichen Entwicklungen und Erfordernissen – ja auch zu einer hohen M&A Aktivität geführt. Darüber hinaus verstärkt die gegenüber der Zeit vor der globalen Finanzkrise nochmals deutlich gewachsene Globalisierung die Zunahme von grenzüberschreitenden Transaktionen, wie man z.B. an der verstärkten Aktivität von chinesischen Investoren auf dem deutschen Markt sehen kann.

Dennoch glaube ich nicht, dass diese Entwicklungen erneut zu einer globalen Finanzkrise führen, wie wir sie 2008-2011 erlebt haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass der vermutlich wichtigste Auslöser der damaligen Krise im amerikanischen Immobilienmarkt lag, dessen absurde Preissteigerungen durch die Platzierung von fragwürdigen Papieren in den Portfolien von internationalen Investoren finanziert wurde. Mit dem Platzen der Immobilienblase mussten auch die entsprechenden Papiere platzen, mit den Folgen, die wir alle kennen.

Eine hohe Unternehmensbewertung ist für sich genommen ja nichts Schlimmes oder gar Gefährliches. Die Frage ist doch, wie das künftige Ertragspotential eines Unternehmens eingeschätzt wird und wie dieses Potential durch den Unternehmensverkauf zwischen dem Verkäufer und dem Erwerber aufgeteilt wird. Steigende Preise für Unternehmen führen in dieser Sichtweise dazu, dass ein höherer Anteil des künftigen Ertragspotentials beim Verkäufer verbleibt. Auf der anderen Seite kann das natürlich dazu führen, dass die Renditeerwartung des Erwerbers entweder bereits beim Erwerb oder zu einem späteren Zeitpunkt reduziert werden muss – wenn sich beispielsweise im Nachhinein die zum Kaufzeitpunkt aufgestellten Prognosen als zu optimistisch erweisen. Natürlich kann das dann dazu führen, dass das auch heute häufig noch aufgerufene Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25% p.a. oder mehr oder, wie Finanzinvestoren gern rechnen, einer Verdreifachung des eingesetzten Geldes in einem überschaubaren Zeitraum von wenigen Jahren nicht erreicht wird.

Im Vergleich zur Zeit vor der globalen Finanzkrise hat sich natürlich auch die Bankenlandschaft deutlich verändert. Zwar sind auch heute wieder Akquisitionsfinanzierungen in einem attraktiven Umfang und zu attraktiven Konditionen verfügbar, doch müssen die Banken heutzutage viel schärfere Regulierungen und Kapitalunterlegungsmodalitäten beachten als vor der Krise. Auch diese regulatorische Seite trägt dazu bei, dass Akquisitionsfinanzierungen nicht unüberschaubar ausufern. Schließlich bin ich Optimist und hoffe auf die Lernfähigkeit des Menschen – wir alle haben jetzt die Erfahrung der globalen Finanzkrise gemacht, und ich hoffe, dass wir daraus gelernt haben.

 

Oberursel, 17.07.2015

Dr. Horst Friedrich

ADVISOS Corporate Finance

Dr. Horst Friedrich im Interview mit dem Magazin „Unternehmer Edition“ über ausländische Käufer im Mittelstand

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